Sonntag, 22. August 2010

Bars, Beeren und Bären

Und wieder einmal sitze ich im Greyhound und reise zurück richtung Westen. Dies bietet mir Gelegenheit, die letzten paar Tage in Banff und Lake Louise zusammenzufassen. Wird halt relativ lang =))

Als ich nach meiner kleinen Monsterreise in Banff angekommen bin, war ich relativ müde. Meine von mir als für sehr intelligent eingestufte Idee, ich könne ja über Nacht reisen und dann im Bus schlafen (plus Übernachtung sparen), hat sich als ziemlich idiotisch erwiesen. Das Resultat war dann die Müdigkeit. Ich bezog mein Zimmer und nahm mir vor, ein wenig hinzuliegen. Kaum befand ich mich in meinem Schlafgemach, kam auch schon der erste Mitbewohner zur Türe herein. An seinem leicht überheblichen "Hello!!! Ar yu se new wan?" war unschwer zu erkennen, dass es sich um einen Landsmann des EU-Energiekommissars Günther Oettinger handeln musste (vgl. Youtube). Nachdem ich mir seine Geschichte über seine Reise in Kanada angehört hatte (nota bene in deutsch-akzentuiertem Englisch. Er hatte offenbar keinen Bock auf seine Muttersprache), entschied ich mich, doch nicht im Zimmer zu bleiben und mal mit der Schweiz zu skypen.

Kaum hatte ich das Gespräch beendet, kam dann die irische Siobhan auf mich zu, die im selben Car nach Banff gereist ist wie ich. Sie schlug mir vor, mit ihr und Angela (eine Koreanerin, die eigentlich einen völlig anderen Namen hat), mit der Gondel auf den nahegelegenen Sulphur Mountain zu kommen und die Aussicht zu geniessen. Sie war toll. Am Abend lernte ich dann Ludovic kennen, der trotz seines Namens nichts mit Fussball am Hut hat. Ich genoss mit ihm einige gute Pint Bier in der Hostel-eigenen Bar und lauschte dem Sänger auf der Bühne, der seine musikalischen Unfähigkeiten zum Besten gab.

Nachdem ich am nächsten Tag einen wunderschönen Hike entlang des Bow Rivers unternahm und mit Ludo in einem mexikanischen Restaurant einen dicken Burrito verspeiste, fand ich mich am Abend in der immernoch Hostel-eigenen Bar wieder. Ich genoss einige gute Pint Bier und lernte dann die Schwestern Martinez aus Montreal kennen, mit denen ich bis in die Morgenstunden über Gott und die Welt diskutierte.

Der Tag darauf bestand aus einer idyllischen Biketour zum Lake Minnewanka und dem kulinarischen Höhepunkt der Woche: Katsudon. Eine Empfehlung meines japanischen Zimmergenossen Taka, die ich sogar weitergeben kann. Ein weiterer Höhepunkt war das Antreffen von Sandra Eichenberger, die vor ca. 5 Jahren bei der damaligen SZO arbeitete und ich bis dahin nie mehr getroffen habe. Am Abend befand ich mich in der abermals Hostel-eigenen Bar und genoss einige gute Pint Bier mit Sandra, während wir über die guten alten SZO-Zeiten philosophierten. Als ich auf Grund des Mehraufwandes bezüglich meiner Abwesenheit im Geschäft mein Mitleid gegenüber des zweiten Private Banking Assistenten verkündete, erwiderte sie lapidar: "Ach dä söll nur au mal öppis schaffe". Dies leite ich hiermit natürlich gerne weiter ;-)

Mein letzter Tag in Banff bestand aus einer Riverrafting Tour auf dem Kicking Horse River. Wir bestiegen unseren 10-plätzigen Sattel und reiteten auf dem ausschlagenden Pferd die holprige Strasse entlang. Der Fluss machte seinem Namen alle Ehre, schliesslich fand ich mich nach einer Grad-4-Stromschnelle zwei Reihen weiter vorne auf dem Boden des Rafts wieder. Alles in allem sehr spassig! Wo ich dann den Abend verbrachte, wird wohl nicht allzu schwierig zu erraten sein.

Am nächsten Tag reiste ich nach Lake Louise. Als ich mich auf den Weg zu dem weltberühmten See machte, musste ich mich für Strasse oder Wanderweg entscheiden. Ich musterte skeptisch die Warnhinweise bei dem Wanderweg: “Achtung Beerensaison. Erhöhte Wahrscheinlichkeit Bären anzutreffen”. Und weiter: “Beim Wandern Lärm machen. Bärenspray mit sich tragen. Auf frische Bärenspuren achten. Beim Antreffen eines Bären sofort die Bärenstelle anrufen”. Obwohl ich keinen Bärenspray bei mir hatte, keine Ahnung hatte wie Bärenspuren aussehen und auch die Telefonnummer nicht notiert hatte, entschied ich mich für den friedlichen wirkenden Wanderweg. Wird ja wohl nichts passieren. Als ich da so fröhlich vor mich hinpfiff, wurde mir mit der Zeit doch ein wenig mulmig, da ich so gut wie keine anderen Wanderer antraf. Glücklicherweise bin ich jedoch keinen Bären begegnet. Zumindest nicht auf dem Hinweg. Als ich nach gut zwei Stunden wieder zurückkehrte, war der Weg, den ich vorhin gewählt hatte, gesperrt. Ich nahm deshalb die Hauptstrasse, die parallel zu meinem Wanderweg hinunterführte und entdeckte dann auch den eigentlichen Grund für die Absperrung. Bären! Jawohl, nicht ein Bär, sondern Bären. Drei an der Zahl,  eine Grizzly-Mutter mit ihren zwei Jungen. Auf MEINEM Wanderweg! In Anbetracht dessen, dass Grizzlys agressiver sind als die in Nordamerika verbreiteten Schwarzbären und dies erst recht, wenn sie noch Junge bei sich haben, war mein Timing wohl nicht allzu schlecht! Den Abend verbrachte ich dann mit Billard spielen im Hostel, zusammen mit dem Australier Nick, dem Italiener Andrea, dem Japaner Taka und wieder einmal mehr mit dem deutschen Englischallergiker Greg. Bis auf den Italiener wieder die gleichen Leute, die ich schon in Banff angetroffen habe.

Wie klein die Welt doch ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen