Manche Schliessmechanismen können tatsächlich ein gewisses Gefühl des Unwohls hervorrufen. Und dabei spreche ich nicht von Durchfall oder anderen körperlichen Schwächen. So kann es doch vorkommen, dass man sich eines kühlen morgens dafür entscheidet, den bald überquillenden Müll herauszubringen. Bei einem solch kurzweiligen und risikolosen Vorhaben hält man es gewiss auch nicht für notwendig, festes Schuhwerk oder gar lange Hosen anzuziehen, schliesslich geht man ja nur kurze Zeit vor die Tür.
Erst einmal draussen, mag es einen ein wenig frösteln, jedoch wird dies getrost vernachlässigt. Schliesslich befindet man sich in einer guten halben Minuten wieder zurück in der warmen Stube. Die Mülltonne wird angepeilt, der Abfall entsorgt und rechtsumkehrt geht es wieder zurück Richtung wohl temperiertes Wohnzimmer. Ein völlig harmloser Vorgang - eigentlich. Zurück an der Tür dreht man wie gewohnt am Türknauf und erwartet dessen Nachgabe. Die erwartete 90° Drehung bleibt jedoch überraschenderweise aus. Kein Grund zur Panik, jeder ist einmal ein wenig verklemmt. Mit ein bisschen mehr Elan bewegt sich dann der Türknopf ... nach wie vor nicht. Und da beginnt es. Das gewisse Gefühl des Unwohls schleicht sich heimtückisch und ganz leise an, bauscht sich mit einem Male auf und überkommt einen dann gänzlich. Das Unwohlsein weicht einen Moment lang dem rationalen Denken. Schliesslich hat man ja noch einen Wohnungsgenossen, man ist also nicht allein.
Plötzlich schlägt das Unwohl zurück, der WG-Partner ist schliesslich nicht zu Hause. Wo war er nochmal? Joggen? Im Starbucks? Wann sagte er, sei er zurück? Um halb 12, also in zwei Stunden? Eine Ration Rationalität verpasst dem Unruhestifter Unwohlsein einen Seitenhieb; halb so schlimm, ein netter Spaziergang entlang der Meeresküste oder ein nährhaftes Frühstück im Café nebenan und die zwei Stunden sind um, und zwar im nu. Ein kühler Windstoss, welcher um meine baren Unterschenkel und nackten Füsse zieht, verleiht dem Unwohl einen weiteren Kraftstoss. Der Fakt, dass beide Hosenbeine im Winde wie eine weisse Flagge wehen, was ein Nichtvorhandensein einer Geldbörse impliziert, lässt das positive Denken beinahe vollends in die Knie gehen.
Das Fehlen der eigenen mobilen Kommunikationsmöglichkeit, sprich des Mobiltelefons, lässt die Positivität aussehen wie David gegen den Riesen Goliath, wobei dieser durch die wachsende Negativität verkörpert wird. Nachdem die Hoffnung beinahe zum vollständigen Erliegen gekommen wäre, beginnt sie mittels der herannahenden Rentnerinnen wieder zu keimen. Die rüstigen Antiquariate zwingen das Unwohlsein mit ihrer Hilfsbereitschaft zu einem Rückzieher. Nach zwei vergeblichen Versuchen, den zweiten Schlüsselträger per Mobilfunknetz zu erreichen, verliert die Hoffnung noch einmal ein wenig an Schwäche. Nachdem der Lord of the Key, mit bürgerlichem Namen R. S. (Name dem Redaktor bekannt), in leichtem und stolzem Schritt heranjoggt und zusätzlich bestätigt, dass er seine Ausfertigung des Schlüssels auch wirklich bei sich trägt, verpasst das Wohlgefühl dem Unwohl den letzten Dolchstoss und lässt sich nach einem solch harten Kampf durch das Gefühl der Erleichterung feiern. Ende gut - alles gut.
Kurzfassung der Kurzgeschichte: Ich Depp han mich us de Wohnig usegschlosse!
LOL...dini Gschichtli sind eifach de Hammer. Freu mich scho uf üsi 5 Wuche reise. Wird sicher witzig. Jetzt würd mi aber no Wunder neh, wie lang effektiv hesch müesse warte bis the Lord of the Key zrugg kehrt isch???
AntwortenLöschenEs isch halt nued wie dihei, wo eifach immer en Schluessel umme isch, gaell. Gruessli heibei
AntwortenLöschenJaa, es sind dänn im Endeffekt gliich nur öppe 20 Minute gsi. Aber das hani ja am Aafang nonig gwüsst ;-)
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